Natur-, Arten- Klima- und Umweltschutz

Wassermanagement im Garten

Die aktuellen Klimaveränderungen wirken sich unter anderem auf die Niederschlagsverteilung aus. Der April war 2020 in vielen Gebieten Österreichs mit bis zu 85 % weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel besonders trocken. Starkregen, der im Sommer auf ausgetrocknete Böden einwirkt, schwemmt die Böden ab und zerstört Natur und Bauwerke.

Ohne Wasser gibt es kein Pflanzenleben. Daher ist eine richtige Bewässerung und ein ressourcen- und geldsparender Einsatz des Gießwassers für jeden Gartenbesitzer wichtig, besonders unter diesen veränderten klimatischen Gegebenheiten.

Gesunder Boden

In dem Bereich, in dem die Pflanzen wurzeln, also im Boden, muss ausreichend Feuchtigkeit vorhanden sein. Ebenso benötigen die Wurzeln aber auch Luft. Das heißt: auch ein zu viel an Wasser schädigt die Pflanzen, Staunässe und dadurch bedingte Wurzelfäule sind die Folge. Ein guter Boden speichert Wasser und Nährstoffe, hat aber noch ausreichend mit Luft gefüllte kleine Hohlräume, die Bodenporen. Ein gesunder Boden will aber gepflegt sein. Verzichten Sie auf Umstechen, da dadurch die Bodenlebenwesen in für sie ungeeignete Schichten gelangen und absterben. Vermeiden Sie Verdichtungen durch häufiges Betreten oder Befahren. Dadurch wird die Bodenstruktur zerstört und die luftgefüllten Bodenporen verschwinden. Fördern Sie die Humusbildung durch regelmäßige Kompostgaben und verzichten Sie auf den Einsatz von chemischen Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Offener Boden z. B. im Gemüsebeet sollte regelmäßig gehackt, besser noch gemulcht werden.

Die gute Bodenpflege ist eine Voraussetzung, um den Pflanzen ausreichend Wasser zur Verfügung stellen zu können.

Richtiges Gießen

Im Garten müssen Pflanzen richtig bewässert werden. Das heißt, dass ausreichend gegossen werden muss, um in der oberen Bodenschichte von etwa 30 cm genug Wasser für die Wurzeln zur Verfügung zu stellen. Zu wenig Wasser befeuchtet nur die Oberfläche. Zu viel Wasser fließt oft nur in tiefere Schichten, die die Wurzeln nicht erreichen, oder ruft pflanzenschädliche Staunässe hervor. Näheres zum richtigen Gießen im Folgenden, doch schauen wir zunächst, womit man gießen kann.

Grund- und Regenwasser nutzen

Trinkwasser ist ein kostbares Gut, das durch Umweltverschmutzung und Klimawandel weltweit in Gefahr ist. Wir sind in Österreich in der glücklichen Lage, derzeit über ausreichend Trinkwasser zu verfügen. Trotzdem ist ein sparsamer Umgang damit langfristig notwendig. Zwei bis fünf Prozent des privaten Wasserverbrauches werden für die Gartenbewässerung eingesetzt.

Wo immer möglich, sollte das Gießen mit Trinkwasser vermieden werden. Dort, wo das Grundwasser über eine ausreichend gute Qualität verfügt, ist ein Brunnen eine gute Möglichkeit, Gießwasser zu gewinnen. Allerdings bedarf es für die Errichtung eines Brunnens einer behördlichen Genehmigung.

Regenwasser hingegen ist für Gartenbesitzer ein Geschenk, das im wahrsten Sinne des Wortes vom Himmel fällt und kostenlos zur Verfügung steht. Wie schon erwähnt, ist die Verteilung der Niederschlagsmengen mittlerweile sehr unregelmäßig. Um das auszugleichen, sammelt man den Regen in Behältern, die das Wasser speichern. Die beste Variante ist eine unterirdisch eingebaute Zisterne, die auch als Brauchwasserreservoir für Toilettenspülungen etc. genutzt wird. Dies ist jedoch sehr aufwändig, kostenintensiv und bewilligungspflichtig und wird daher eher bei einem Hausneubau umgesetzt werden als in einem bestehenden Garten.

Regentonnen

Eine einfachere Maßnahme ist das Aufstellen von Sammelbehältern aus Kunststoff. Es gibt hier eine große Auswahl in verschiedensten Ausführungen, Größen und Designs. Sie müssen unbedingt auf ebenem Untergrund stehen, damit sie keine Risse bekommen. Ein ökologischere Lösung ist es, alte, gebrauchte Weinfässer zu nutzen. Diese kann man auch ohne Deckel aufstellen und z. B. mit Seerosen bepflanzen. Dabei sollte man aber unbedingt ein Gitter darüber spannen, damit keine Tiere hineinfallen und ertrinken. Bei allen offenen Lösungen kann es leicht zu Problemen mit Gelsen kommen. Abhilfe schafft ein dicht gespanntes engmaschiges Fliegennetz , das die Ablage der Mückeneier verhindert oder Präparate auf Basis von Bacillus thuringiensis israelensis. Diese töten die Mückenlarven, ohne für Menschen oder Pflanzen schädlich zu sein. Ebenfalls eine Möglichkeit ist, die Tonne alle zwei Wochen komplett zu leeren, da die Gelsen ca. drei Wochen zur Entwicklung benötigen oder die Larven zumindest mit einem Sieb von der Oberfläche abzufischen. Die Behälter müssen komplett lichtundurchlässig sein, da sich sonst Algen im Wasser bilden würden.

Alle Behälter benötigen einen Überlauf, außer dieser ist bereits im Zulauf aus der Dachrinne integriert. Diese in die Dachrinne eingebauten Elemente leiten das Regenwasser in die Tonne. Ist diese voll, rinnt das weiter anfallenden Regenwasser wieder über den normalen Ablauf in den Abflussschacht.

Ein Wasserhahn ist praktisch für die Entnahme. Dementsprechend sollte man den Behälter erhöht aufstellen, damit man leicht eine Gießkanne unter den Hahn stellen kann. Einmal im Jahr muss man die Tonne säubern, denn Schwebstoffe setzen sich am Boden ab.

Regenwasser versickern lassen

Einerseits kann man Wasser für den eigenen Gießbedarf sammeln, andererseits gibt es auch Möglichkeiten, dem Boden und dem Grundwasser Regenwasser zuzuführen, anstatt es ungenutzt im Kanal abzuleiten.

Das bedeutet, im eigenen Garten möglichst auf versiegelte Flächen zu verzichten. Wege aus wassergebundenen Decken (kantiges Kiesmaterial, das sich verzahnt und einen entsprechend stabilen Weg bildet), Kiesflächen, Schotterrasen oder in Kies / Sand verlegte Pflasterungen sind auf jeden Fall betonierten oder asphaltierten Wegen und Flächen vorzuziehen.

Eine weitere Maßnahme ist das Anlegen von Versickerungsflächen, Sickermulden oder Sickerteichen. Dabei ist es immer wichtig, ausreichend Abstand zum Haus einzuhalten, bevor man das Wasser in den Boden versickern lässt, sowie das Wasser mit einem Gefälle vom Haus weg zu leiten, damit es zu keinen Schäden am Fundament kommt. Sickermulden sind relativ einfach zu bauen und werden mit heimischen Pflanzen, die Wechselfeuchte lieben, bepflanzt. Wasserspiele, wie Wasserläufe und Teiche sind in heißen Sommern auch bei der Tierwelt sehr geschätzt.

Pflanzenauswahl

Die Auswahl der Pflanzen sollte an den Standort angepasst werden. Es bestehen große Unterschiede in den Lebensbedingungen für Pflanzen, je nachdem, ob ein Garten an einem Hang liegt, ob er windexponiert ist, welchen Untergrund er hat, auf welcher Höhenlage er sich befindet etc. Eine den Verhältnissen angepasste Pflanzenauswahl vermindert nicht nur den Pflege- und Gießaufwand, auch die Pflanzen werden besser gedeihen und damit mehr Freude bereiten. Beobachten Sie Ihre Pflanzen auch laufend. Standort, Boden und Klima, aber auch die Nachbarpflanzen haben einen großen Einfluss auf die Wuchsfreude. Und wenn man beobachtet, dass sich eine Pflanze besonders breit macht, dann ist das ein Zeichen dafür, dass sie für diese Bedingungen optimal ist. Dezimieren Sie sie nicht, sondern lassen Sie ihre Wuchsfreude zu, und verabschieden Sie sich von Ihrer Lieblingspflanze, die an diesem Standort trotz intensiver Bemühungen nicht gedeihen will. Oft sind wir von einer Wunschvorstellung geleitet, die aufgrund der herrschenden Bedingungen nicht umzusetzen ist. Gelingt es  jedoch, den eigenen Garten zu „verstehen”, dann erspart man sich nicht nur viel unnötiges Gießen, sondern auch Arbeit und Enttäuschung. Lassen Sie sich beraten. Gute Gärtnereien geben mittlerweile an, welche Pflanzen sich in den neuen und kommenden Klimabedingungen besonders gut zurechtfinden.

Bei windexponierten Lagen kann man mit Baum- und Strauchpflanzungen an der Grundstücksgrenze den Wind abhalten und dadurch auch die Verdunstung der Pflanzen herabsetzen.

Richtiges Bewässern

Nichts desto trotz hat jeder Gartenbesitzer besondere Lieblinge, auf die er, auch wenn der Standort nicht optimal ist, nicht verzichten möchte. Besonders dann heißt es: richtig gießen!

Beim Einsetzen müssen Pflanzen gut angegossen werden, v.a. damit sich keine größeren Hohlräume um die Wurzeln bilden, die diese vertrocknen lassen.

Danach sollte man aber eher zurückhaltend mit den Wassergaben sein. Verwöhnen Sie die Pflanzen nicht, sonst bilden sie unzureichend Wurzeln aus. Eine gute Durchwurzelung erreicht man durch nicht so häufiges Gießen, also außer in Hitzeperioden keinesfalls täglich. Geben Sie lieber seltener ausgiebig Wasser, als andauernd kleine Mengen.

Der beste Gießzeitpunkt ist in der Früh. Einerseits, um Nacktschnecken nicht zu fördern und anderseits, um Pilzbefall vorzubeugen. Etwa fünf bis sieben Stunden Blattnässe benötigen Pilze im feuchten Milieu, um ihre Sporen auszubilden. Am Morgen wird dies durch das raschere Abtrocknen der Blätter verhindert. Untertags zu gießen erhöht den Wasserverlust aufgrund der höheren Verdunstung und es besteht die Gefahr, dass Blätter aufgrund des Brennglaseffektes Sonnenschäden erleiden.

Manche empfinden das Gießen am Abend als entspannend nach einem langen Arbeitstag. Das ist jedoch nur dann zu empfehlen, wenn ausschließlich direkt auf den Boden unter die Pflanzen und nicht auf die Blätter gegossen wird.

Automatisiertes Gießen

Computergesteuertes Gießen über automatische Bewässerungssysteme ist komfortabel, v. a. in Urlaubszeiten. Dabei muss man jedoch darauf achten, dass nicht auch dann gegossen wird, wenn Niederschläge gefallen sind. Es gibt zahlreiche Systeme am Markt, mit und ohne Feuchtigkeitsensoren, mit Sprühdüsen oder Tropfschläuchen. Dabei handelt es sich um arbeits- und kostenintensive Anschaffungen, die gut geplant werden sollen. Lassen Sie sich von Fachfirmen beraten. Bedenken Sie dabei, dass eine Anlage, die mittels Bewässerungsschläuchen das Wasser direkt zum Wurzelbereich der Pflanzen bringt, durchaus beim Wassersparen helfen kann.

Einfache Bewässerungshilfen sind mit Wasser gefüllte Tontöpfe (unglasiert und unten mit einem Korken verschlossen, oben mit einem Untersetzer mit Loch abgedeckt), die direkt in den Wurzelraum eingegraben und mit Wasser gefüllt zur Versorgung von besonders durstigen Pflanzen dienen. Es gibt auch Systeme, die mit Kapillarwirkung und Tonkegeln funktionieren, die sich aber eher bei Trögen, Topf- und Zimmerpflanzen bewähren. Eine ganz einfache und billige Lösung für den kurzurlaubenden Balkongärtner ist z. B. auch eine PET-Flasche, in deren Deckel man ein Loch bohrt und die man kopfüber in das Blumenkistchen oder den Topf steckt.

Mulchen

Um den Boden feucht und gesund zu halten, sollte man ihn nie offen und ungeschützt lassen. Mulchen ist eine Methode um dies zu verhindern. Eine Schicht Laub und gehäckselte Äste unter den Sträuchern erfüllt diesen Zweck. Auch Rasenschnitt, nicht zu hoch aufgetragen, da er sonst zusammenpackt und zu gären beginnt, ist gut geeignet und entlastet die Biotonne. Hier ist auch der Einsatz von Rindenhäcksel möglich, wenngleich dieser zu einer Versauerung des Bodens führen kann.

Mulchen zwischen Stauden ist wegen der Schnecken und auch aus optischen Gründen nicht zu empfehlen. Hier wird man darauf achten, dass die Pflanzenschicht komplett schließt und damit einerseits keine Beikräuter aufkommen (die ebenfalls Wasser verbrauchen) und andererseits der Boden die Feuchte besser halten kann.

Ein Sonderfall sind Gräber und trockenheitsliebenden Stauden, die in Kiesflächen gesetzt werden. Bei Gräbern kann man mit Kies als Mulchschichte die Fläche unkrautfrei und feucht halten. Dazu sieht beispielsweise der pflegeleichte Lavendel hübsch aus. Auch im Gemüsebeet ist das Mulchen von offenem Boden möglich und sinnvoll, jedoch kann dadurch das Nacktschneckenproblem verstärkt werden. Der Aufbau eines guten Humusgehaltes, lockere Böden, Gründüngung und der Anbau unter Berücksichtigung einer optimalen Fruchtfolge sind gut geeignete Maßnahmen, den Gießaufwand im Gemüsebeet zu reduzieren.

Bäume und Sträucher – richtig pflanzen

Bei der Pflanzung und in den ersten fünf Jahren ist das regelmäßige Gießen Voraussetzung für die gute Entwicklung von Gehölzen. Ausreichend große Pflanzgruben, die man mit Wasser füllt und dieses vor der Pflanzung versickern lässt, und gute Erde beim Verfüllen erleichtern den jungen Pflanzen den Start am neuen Standort.

Üblicherweise pflanzt man Gehölze in unbelaubtem Zustand im Frühjahr oder Spätherbst. Die Herbstpflanzung ist dabei insofern günstig, da die Pflanze bereits vor der nächsten Vegetationsperiode anwurzeln kann. Beim Einsetzen von belaubten Containerpflanzen im Sommer transpirieren die Blätter, bevor sich die Pflanze noch richtig einwurzeln und sich selbst mit Wasser versorgen kann. Somit ist hier ein erhöhter Gießaufwand gegeben.

Im öffentlichen Raum wird in die Baumgrube meist ein Drainagerohr eingebracht, durch das rasch größere Mengen Wasser in den Wurzelbereich gebracht werden können. In den letzten Jahren sieht man auch immer öfter Wassersäcke, die das Wasser langsam an die neu gepflanzten Bäume abgeben. Im Garten reicht hingegen in den meisten Fällen ein gut dimensionierter Gießrand, der das Ablaufen des Wassers verhindert.

Etablierte Bäume und Sträucher benötigen kaum eine Bewässerung.

Wasserfresser Rasen

Über den Rasen im Klimawandel hat GARTEN+HAUS 5/2020 ausführlich berichtet (S. 50). Rasen benötigt mit Ausnahme von frisch gesätem Rasen oder neu verlegtem Rollrasen eigentlich kaum Bewässerung zum Überleben. Auch wenn er im Sommer braun wird, grünt er im kommenden Jahr wieder. Will man ihn jedoch dauerhaft grün halten, benötigt er extrem viel Wasser. Hier sollte man sein Gießverhalten überdenken, denn sowohl Rasensprenger als auch Sprinkleranlagen haben einen hohen Wasserverlust aufgrund der Verdunstung. Teilweises Umwandeln von Rasen in Wiesenflächen, trittfeste Ersatzpflanzen oder zumindest selteneres Mähen verringert langfristig den Wasserbedarf.

Eva Thun-Täubert

Weiterführende Links zum Klimawandel: